2.4 Tumore des Kehlkopfes und Stimme nach operativen Eingriffen am Kehlkopf

Gutartige Tumoren des Kehlkopfes gehen entweder als echte Neubildungen von allen am Aufbau des Kehlkopfes beteiligten Geweben aus oder stellen sekundäre organische Manifestationen (s. Kap. 4) primärer funktioneller Abweichungen dar (Tab. 7). Leukoplakien ohne oder mit geringgradiger Dysplasie sind rückbildungsfähig. Solche mit mittel- und hochgradigen Dysplasien sind als Präkanzerosen anzusehen (Tab. 8).
Pseudo-Tumoren
  • Larynozele
  • primäre (kongenitale) und sekundäre (Retensions-)Zysten
  • Amylooidtumor
  • Gichttophi
  • Dys- und Hyperplasien (Pachydermie, Leukoplakie etc.)
  • intralaryngeale Struma
Epithelial
  • Papillom
  • oxyphiles Adenom (Onkozytom)
  • Adenom
  • pleomorphes Adenom (selten)
Mesochymal
  • Fibrom
  • Riesenzelltumor
  • Leiomyom
  • Rhabdomyom
  • Lipom
  • Häm- und Lymphangion
  • Chondrom
Neurektodermal
  • Granularzelltumor (Myoblastom)
  • Neurinom
  • Neurofibrom
  • Chemodektom
Tab. 7: Gutartige Larynxtumoren (Auswahl) (nach Naumann, 1990)
 
Geringgradige Dysplasie = Vermehrung dysplastischer Zellen und Mitosen in basalen Epithelschichten
Mittelgradige Dysplasie = dysplastische Zellen bis in das Stratum spinosum reichend
Hochgradige Dysplasie = dysplastische Zellen in sämtlichen Epithelschichten (Carcinoma in situ)
Tab. 8: Dysplasiegrade
Bei den malignen Tumoren überwiegen die verhornenden oder nicht verhornenden Plattenepithelkarzinome mit ungefähr 95 % alle anderen, ebenfalls vorkommenden bösartigen Kehlkopfneoplasien (Tab. 9). Unter den Kopf-Halsmalignomen ist das Kehlkopfkarzinom mit 45 % der häufigste Krebs. Das Hauptmanifestationsalter liegt zwischen dem 45. und 75. Lebensjahr, das Geschlechtsverhältnis Männer:Frauen beträgt etwa 10:1. Ungefähr 65 % der Karzonome betreffen die Glottis, 30 % die Supraglottis und ca. 5 % den subglottischen Raum (Tab. 10).
 
Präkanzerosen
  • Leukoplakie und Pachydermie
  • (solitäres) Alterspapillom
  • Erythtoplasie (bzw. Erythroplakie)
  • Carcinoma in situ
Epithelial
  • Plattenepithelkarzinom (> 90%) mit verschiedenen Differenzierungsgraden
  • verruköses Karzonom
  • Adenokarzinom
  • adenoidzystisches Karzinom (früher "Zylindrom")
  • kleinzellig-undifferenziertes "Haferzell"-Karzinom
  • Mukoepidermoidtumor
  • Karzoid
Mesenchymal
  • Fibro- und andere Sarkome
  • Rhabdomyosarkom
  • Chondrosarkom
Lymphoretikuläres System
  • malignes Lymphom
  • Plasmozytom
Neurektodermal
  • Melanom
  • Chemodektom
Tumoren aus der Nachbarschaft und Metastasische Tumoren, z.B.
  • Hypopharynxkarzinom
  • Öesophaguskarzinom
  • Schidldrüsenkarzinom
  • Hypernephrom
 Tab. 9: Bösartige Larynxtumoren (Auswahl) (nach Naumann, 1990)
 
Glottis 65 %
Tis = präinvasives Karzinom (Carcinoma in situ)
T1 = Tumor beschränkt auf die Glottis mit normaler Beweglichkeit der Stimmlippen
T1a = Befall einer Stimmlippe
T1b = Befall beider Stimmlippen
T2 = Tumor mit Übergang auf die Subglottis oder die Supraglottis bei normaler oder eingeschränkter Beweglichkeit der Stimmlippen
T3 = Tumor beschränkt auf den Larynx mit Fixation einer oder beider Stimmlippen
T4 = Tumor überschreitet den Larynx
Subglottis 5 %
Tis = präinvasives Karzinom (Carcinoma in situ)
T1 = Tumor beschränkt auf die Subglottis mit normaler Beweglichkeit der Stimmlippen
T1a = Befall einer subglottischen Seite
T1b = Befall beider subglottischen Seiten
T2 = Tumor der subglottischen Region mit Übergang auf eine oder beide Stimmlippen
T3 = Tumor beschränkt auf den Larynx mit Fixation einer oder beider Stimmlippen
T4 = Tumor überschreitet den Larynx
Supraglottis 30 %
Tis = präinvasives Karzinom (Carcinoma in situ)
T1 = Tumor beschränkt auf die Subglottis mit normaler Beweglichkeit der Stimmlippen
T1a = Tumor beschränkt auf die laryngeale Fläche der Epiglottis oder auf eine aryepiglottische Falte oder auf einen Morgani-Ventrikel oder auf eine Taschenfalte
T1b = Tumor befällt die Epiglottis und dehnt sich auf Morgani-Ventrikel oder Taschenfalten aus
T2 = Tumor der Epiglottis und/oder der Morgani-Ventrikel oder der Taschenfalten, ausgedehnt auf die Stimmlippen ohne Fixation
T3 = Tumor beschränkt auf den Larynx mit Stimmlippenfixation und/oder Destruktion oder anderen Zeichen von Tiefeninfiltration einer oder beider Stimmlippen
T4 = Tumor überschreitet den Larynx
 Tab. 10: Klassifikation und Häufigkeitsverteilung des Kehlkopfkarzinoms

Heiserkeit ist in 90 % der Kehlkopftumoren das Erst- bzw. führende Symptom (Tab. 11). Gemeinsam gilt für alle tumorösen Veränderungen des Kehlkopfes, dass weniger die Art und Größe des Tumors für die Stimmsymptomatik entscheidend ist, sondern die Lokalisation. Bereits sehr kleine Veränderungen an der freien Stimmlippenkante führen zu einer starken Beeinträchtigung der regulären Stimmlippenschwingung und damit zu einer deutlich hörbaren Heiserkeit. Dagegen können Tumoren, z.B. der Supraglottis, relativ symptomlos zu großen Tumoren heranwachsen, die, solange sie die Glottisebene nicht betreffen, eher durch Dyspnoe als durch Heiserkeit auffallen. Gemeinsam ist in den allermeisten Fällen eine langdauernde und allmählich zunehmende Heiserkeit ohne ausgesprochene Abhängigkeit von äußeren Umständen wie Stimmbelastung etc.
Heiserkeit 90 %
Fremdköpergefühl, Räusperzwang, Schmerzen 10 %
Dyspnoe 10 %
Dysphagie 10 %
Gewichtsverlust 10 %
Husten 5 %
Hämoptysen 1 %
Ferner: zervikale Lymphknotenmetastasen  
 Tab. 11: Führende Symptome der Kehlkopfkarzinome (nach Becker, Naumann, Pfalz, 1983)

Bei den operativen Eingriffen am Kehlkopf unterscheidet man in Abhängigkeit von der Indikationsstellung prinzipiell zwei verschiedene Gruppen. Einerseits die Eingriffe aus vitaler Indikation (überwiegend bei malignen Tumoren), bei denen meist große Teile oder sogar der gesamte Kehlkopf entfernt werden müssen. Trotz Operationsmethoden, die eine möglichst gute postoperative Stimmfunktion garantieren sollen, steht hier das stimmliche Ergebnis nicht im Vordergrund.

Andererseits Eingriffe mit dem vorrangigen Ziel der Stimmverbesserung, die sogenannte Phonochirurgie. Man fasst hierbei eine Reihe von Eingriffe, wie die mikrochirurgische Abtragung von gutartigen Stimmlippenveränderungen, Verfahren zur Korrektur der Stellung und Spannung gelähmter Stimmlippen, Stimmlippenunterfütterung sowie plastisch rehabilitative Verfahren nach Operationen, die mit dem vorrangigen Ziel der Stimmverbesserung ausgeführt werden, zusammen.
Letzte Aktualisierung: 07.07.2014