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Phonochirurgie - Stimmverbessernde Operationen

Heiserkeit und Stimmversagen

Die menschliche Stimme ist das Resultat einer komplizierten Schwingungsbewegung der Stimmlippen im Kehlkopf. Zahlreiche Erkrankungen aber auch Stimmüberlastungen und seelische Spannungen können zu Veränderungen an den Stimmlippen führen, die dann Heiserkeit und Stimmversagen hervorrufen. Bilden sich diese Veränderungen durch konservative Therapien nicht zurück, kann mit operativen Methoden die Stimme verbessert werden.

Minimal-invasive Operationsmethoden

Mit modernsten mikroskopischen und endoskopischen Techniken sowie verschiedenen Laserarten können damit minimal-invasive mikrochirurgische Eingriffe an den Stimmlippen zur Verbesserung der Schwingungsfähigkeit oder Abtragung von Tumoren bzw. Entnahme von Gewebeproben vorgenommen werden. Für die Wiederherstellung bei Stimmlippenlähmung wurde ein eigenes Stimmlippenimplantat aus Titan entwickelt, welches nach Patentierung und Zulassung auch in Amerika und weltweit in Verwendung steht.

 

Fortschritte in der Medizin

In weiten Bevölkerungskreisen, insbesondere bei Angehörigen von Stimm- und Sprechberufen, herrscht die Meinung vor, dass operative Eingriffe am Kehlkopf und an den Stimmlippen höchst gefährlich seien, da die Gefahr bestehe, dass die Stimme danach „weg“ sei und auch das stimmliche Resultat nicht vorherzusagen sei. Diese Ansicht war bis zu einem gewissen Grad zu einer Zeit gerechtfertigt, in der - bedingt durch unzureichende technische Möglichkeiten - Eingriffe unter schwierigen Bedingungen und mit freiem Auge im Kehlkopfinneren vorgenommen werden mussten.

In den letzten Jahren wurden jedoch, vor allem durch die Entwicklung neuer technischer Geräte und Operationsmethoden, entscheidende Fortschritte erzielt. Damit hat sich diese Art von Operationen grundsätzlich gewandelt und es hat sich sogar ein eigenes Fachgebiet der Stimm- und Sprachheilkunde (Phoniatrie) und der Kehlkopfheilkunde (Laryngologie) entwickelt, die sogenannte Phonochirurgie. Es wurden dabei völlig neue, hochspezialisierte Methoden entwickelt, die es jetzt ermöglichen, feinste Eingriffe am Stimmapparat so vorzunehmen, dass nicht nur eine Stimmverschlechterung sicher vermieden, sondern eine gezielte Verbesserung oder Veränderung der Stimme durchgeführt werden kann.

Die betrifft vor allem die Entfernung gutartiger, schwingungsbehindernder Veränderungen an den Stimmlippen wie Stimmlippenknötchen, Stimmlippenpolypen, Stimmlippenödeme etc. Die Operation wird dabei als endoskopischer, minimal invasiver, mikrochirurgischer Eingriff durch den Mund vorgenommen. Es können dabei unter mikroskopischer Sicht und optimaler Beleuchtung mit feinsten Instrumenten (Scherchen, Zängelchen, Messerchen) die schwingungsbehindernden Veränderungen von den Stimmlippen entfernt werden, ohne dass tiefer liegende Stimmlippenanteile geschädigt werden, wodurch die operationsbedingten Wunden ohne Narbenbildung abheilen.

Eine weitere, völlig neue und grundsätzlich andere Art stimmverbessernder Operationen sind Eingriffe am Kehlkopfskelett zur Veränderung der Stellung und Spannung der Stimmlippen. Kann z. B. nach einer Stimmlippenlähmung die Stimmritze bei der Stimmgebung nicht mehr vollständig verschlossen werden, resultiert eine leise und verhauchte Flüsterstimme. Durch eine Verlagerung der gelähmten Stimmlippe in die Mitte (sogenannte Medialisierung) kann wieder ein vollständiger Stimmlippenschluss hergestellt werden, die Stimme wird dadurch wieder kräftiger und klangvoll. In vielen Fällen kann danach sogar ein Lehrberuf wieder ausgeübt werden. Für diese Art der Operationen wurde in Graz ein eigens Titan - Stimmlippenpräparat entwickelt und auf internationalen Kongressen vorgestellt.

Auch Elastizitätsverluste der Stimmlippen, wie sie im Alter und bei verschiedenen Erkrankungen auftreten, können durch Eingriffe am Kehlkopfskelett zumindest teilweise rückgängig gemacht werden, indem die Stimmlippen „nachgespannt“ werden. Durch solche spannungsverändernden Eingriffe ist es aber auch möglich, die Stimmtonhöhe zu beeinflussen, wie es z. B. bei Fällen einer Geschlechtsumwandlung von Mann zur Frau notwendig sein kann.

Komplexe Behandlungskonzepte

Es ist jedoch zu betonen, dass phonochirurgische Eingriffe nur einen Teilaspekt in der komplexen Behandlung von Rehabilitation stimmgestörter Personen darstellen. Phonochirurgische Maßnahmen dürfen niemals allein und isoliert durchgeführt werden, sondern nur auf dem Boden einer umfassenden Diagnostik und im Rahmen eines komplexen Behandlungskonzeptes, das konservative d. h. medikamentöse, physikalische (z. B. Inhalationen), logopädische-stimmtherapeutische, ev. auch psychotherapeutische und eben chirurgische Maßnahmen umfasst.

 

 
Letzte Aktualisierung: 14.08.2018