LTTEG – Laryngo-Tracheal Tissue Engineering Graz

​Hintergrund

 
Wie zahlreiche andere Gebiete erlebten auch die Laryngologie und Phoniatrie eine immense Aufwertung durch die Methoden des Tissue Engineering und der Regenerativen Medizin. Bekannte Stimmlippen-Erkrankungen (Polypen, Reinke-Ödem, Stimmlippen-Narben etc.) erfuhren eine Neuinterpretation auf molekularbiologischer und zellulärer Ebene, was zu einem erweiterten patho-physiologischen Verständnis führte. Standen bislang optische (Laryngoskopie, Endoskopie) und akustische Untersuchungsverfahren (Stimmfeld-Messung) im Vordergrund der Diagnostik, so erlauben heute experimentelle Settings die beteiligten Zelltypen (v.a. Stimmlippen-Fibroblasten) direkt zu untersuchen.
 

Tissue Engineering und Laryngologie

 
Zahlreiche Forschungsgruppen arbeiten weltweit an Konzepten zur Wiederherstellung des gestörten Stimmklanges. Die Ursachen hierfür sind vielfach und reichen von allseits bekannten Faktoren wie Nikotinabusus, chronischer Stimmüberlastung und postoperativen Zustandsbildern zu relativ neuen Krankheitsbildern wie der Altersstimme (Presbyphonie).
Unterschiedliche Konzepte des Tissue Engineering werden heute zu Diagnose und Therapie herangezogen, wie etwa die (Stamm-)Zelltherapie oder der Einsatz verschiedenster Biomaterialien (Matrices) als Trägermaterial für Zellen und Wachstumsfaktoren. Dabei wurden in der Laryngologie und angrenzenden Gebieten schon Aufsehen erregende Erfolge erzielt. Am renommierten Karolinska Institut in Stockholm, Schweden läuft derzeit die erste klinische Studie in der humane mesenchymale Stammzellen zur Therapie der chronischen Stimmlippen-Narbe eingesetzt werden. Eine neu entwickelte Therapie von der Universität Kyoto, Japan verspricht mittels eines speziellen Wachstumsfaktors (HGF – hepatocyte growth factor) eine ambulante Therapie bei bis dato nur schwer therapierbaren Stimmstörungen.
 
 

LTTEG – Laryngo-Tracheal Tissue Engineering
in Graz

 
Unsere 2014 gegründete Arbeitsgruppe beschäftigt sich auf mehreren Ebenen mit Erkrankungen der Stimme, wobei innovative Ansätze zur Therapie der Stimmlippen-Narbe sowie der Altersstimme im Vordergrund stehen. Lokal wie international steht LTTEG in engem Kontakt und Austausch mit Ärzten und Biotechnologen in verwandten Gebieten, gemäß des Grundsatzes, dass Fortschritte derart komplexer Fragstellungen nur interdisziplinär erzielt werden können.
 

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Unser Konzept zur Erforschung innovativer Therapieansätze der Stimmlippen-Narbe beschreitet gänzlich neue Wege. Während bisherige Versuchsanordnungen auf Tierversuche aufbauten, ist unser erklärtes Ziel die Stimmlippen-Narbe bzw. die einzelnen Schritte der Fibrose (Narbenentstehung) im Reagenzglas (in vitro) nachzubauen. Wir bedienen uns dabei des innovativen Konzeptes des macro-molecular-crowding, ein biophysikalisches Prinzip, das in Zusammenarbeit mit der Universität Singapur (Department of Biomedical Engineering) auf die Stimmlippenebene umgelegt wurde.
Ziel des Projektes ist nicht nur ein besseres Verständnis der Vernarbung selbst, sondern ein System zu entwickeln, das eine rasche und unkomplizierte Testung von in Frage kommenden antifibrotischen Substanzen ermöglicht. Die Vermeidung unnötiger Tierversuche steht dabei im Vordergrund.
 

Elektrische Nerven-Stimulation
zur Therapie der Altersstimme

 
Stimmveränderungen im Alter werden in absehbarer Zeit zu einem wichtigen Gesundheitsthema. Betroffene Patienten leiden an hochgradig heiseren, nicht belastbaren Stimmen und neigen zu sozialen Rückzug und Isolation.
Zur Behandlung der Altersstimme führen wir Versuche mittels elektrischer Stimulation des betroffenen Nerven („Recurrens Nerv“) durch. Dieser Ansatz soll klären, inwiefern es möglich ist, altersbedingte Veränderungen wie bsw. eine Atrophie der Kehlkopfmuskeln wieder rückgängig zu machen.
Eine Anwendung dieser Erkenntnisse soll helfen, Patienten länger im Berufsleben zu halten und eine Teilnahme am sozialen Leben zu verbessern.
Letzte Aktualisierung: 14.08.2018